Kath. Kirche St. Edigna in Hofdorf
Über allen Häusern und Bauernhöfen thront die Kirche von Hofdorf, deren Schutzpatronin St. Edigna ist. Bis zur Säkularisation 1803 war sie eine Nebenkirche des Klosters Windberg. Als man dieses aufgelöst hatte und viele Kirchen exekriert wurden, so in Gaishausen und Sparr, blieb sie erhalten und kam zur Pfarrei Hunderdorf.
Im Jahre 1929 wurde die Kirche in den Kunstdenkmälern von Bayern, Band XX, für das Bezirksamt Bogen wie folgt beschrieben:
Im 16.Jahrhundert wird eine Kirche erwähnt. Die bestehende Anlage stammt von 1701 (Jahreszahl außen am Chor). ZIMMERMANN zufolge war die Kirche den 14 Nothelfern geweiht. 1897 Restauration.
Der ganz wenig eingezogene Chor ist rechteckig, mit abgeschrägten Ostecken. Tonnengewölbe mit Stichkappen. Chrorbogen rund, mit schlichten Pilastern besetzt Langhaus zu zwei Fensterachsen. Flachdecke. Westempore über zwei hölzernen Binnensäulen. Die Chorfenster, in den beiden Schrägseiten, und die seitlichen Langhausfenster schließen mit wenig eingezogenem Rundbogen. Westportal in der Mittelachse, mit geradem Sturz. Darüber ein kleines Rechteckfenster mit seitlichen Ausbuchtungen und stark geschrägtem Gewände. Ein ebensolches Fenster, unten südlich neben dem Portal, gestattet Einblick in die Kirche. An Chor und Langhaus ein einfacher, rechtwinkelig vorspringender Sockel. Der Chor ist nur um die Stärke des Sockelvorsprunges eingezogen. Am Chorhaupt, an der Südöstecke, findet sich oben die Jahreszahl 1701 eingemeißelt. Der ganze Bau ist in schönem Granitquaderwerk ausgeführt und demzufolge unverputzt. Westdachreiter mit Zwiebelkuppel.
Am Scheitel des Chorgewölbes ist das Wappen des Klosters Windberg aufgemalt. Hochaltar modern, mit Verwendung von Teilen aus der Erbauungszeit der Kirche. Altarblatt St. Edigna mit Totenkopf und Geißel, in Schnitzrahmen mit Akanthus. Oberbild St. Maria mit Kind, in ähnlichem Rahmen. Seitenfiguren zwei weibliche Heilige, eine mit Schwert; wohl St. Katharina und Barbara. Im Aufzug seitlich zwei Statuetten von weiblichen Heiligen ohne Attribut.
Vierzehn Kreuzwegstationen in Guter Hinterglasmalerei des 18.Jhs. (Diese wurden in den sechziger Jahren entfernt und mit neuen ersetzt). Chorbogenkruzifix um 1700, ländlich. Am Westportal Türschloß aus der Erbauungszeit mit hübschen, rankenverzierten Beschlägen. Glocken. Schwer zugänglich. Etwa um 1700. 1.Am Hals zwei einfache Friese. Am Mantel Reliefs: Kruzifix und zwei Heilige mit Schwertern, offenbar die Wetterheiligen St. Johannes und Paulus, Dchm. 0,39 m.- 2. Am Hals ein Rankenfries. Eingeritzte Inschrift: 36 (Gewicht in Pfunden) Dchm. 0,32 m. Beide Glocken kamen 1884 aus der Pfarrkirche zu Hunderdorf hierher. – Eine kleine, schlichte eiserne Glocke, die früher in Hofdorf war, wird seit 1910 im Bogener Bezirksmuseum aufbewahrt.
Schwester Bonaventura Härtenberger schreibt im „Heimatbuch von Hunderdorf“, daß die Kirche in Hofdorf 1665 St. Thomas als Patron hatte.
St. Edigna, Schutzheilige der Kirche
Eine gerahmte Urkunde in der Kirche klärt uns auf, wie St. Edigna zur Schutzpatronin der Hofdorfer Kirche wurde. Die Übersetzung aus dem Lateinischen lautet:
Daß ich dem Hochwürdigsten und illustren Herrn Bernhard, des weißen und exemplen Prämonstratenserordens, des erhabenen Klosters Windberg überaus wachsamen Abt, eine beachtliche Partikel des Schädels der seligen Jungfrau EDIGNA geschenkt habe – der Tochter des Königs Heinrich von Frankreich, deren heilige Gebeine im Dorf und der Kirche von Puch ruhen, die dem Kloster Fürstenfeld unmittelbar inkorporiert ist, und die von den Gläubigen sehr verehrt werden, sei dies zur Urkund. Auf den frommen Wunsch desselben Hochwürdigsten Herrn Abtes versehen wir diese Urkunde mit unserer authentischen Unterschrift und mit unserem Abteisiegel. Gegeben zu Fürstenfeld den 13.März 1765. Fr. Martinus Abt von Fürstenfeld.
Quelle: Kornel Klar: Kirchen – Kapellen – Kreuze in der Pfarrgemeinde Hunderdorf